Mein erster Megamarsch: 50 Kilometer in Düsseldorf und die Erkenntnis, was unsere Teilnehmer wirklich leisten
- Team Megamarsch
- vor 1 Tag
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Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich ehrlich gesagt manchmal: Was habe ich mir dabei gedacht? Mein erster Megamarsch war eine richtige Schnapsidee. Am 04.07.2026 bin ich beim Megamarsch Düsseldorf über die 50 Kilometer gestartet und habe dabei sogar noch einen Freund mit hineingezogen. Die Vorbereitung? Nicht vorhanden. Training? Fehlanzeige. Falsches Schuhwerk? Natürlich auch dabei. Unvorbereiteter hätte ich wohl kaum an den Start gehen können.
Trotzdem war ich am Anfang unglaublich motiviert. Ein großer Grund dafür war meine Neugier. Ich arbeite seit September 2025 bei Megamarsch und beschäftige mich täglich mit unseren Teilnehmern, ihren Geschichten und ihren Herausforderungen. Irgendwann kam bei mir der Gedanke auf: Es kann doch nicht sein, dass ich für diese Firma arbeite, aber selbst nicht weiß, was unsere Teilnehmer eigentlich durchmachen. Ich wollte verstehen, warum Menschen freiwillig 50 oder sogar 100 Kilometer wandern und was hinter dieser Herausforderung wirklich steckt.
Eine kleine Frage bleibt mir bis heute: Warum habe ich eigentlich nicht mit einem 25 Kilometer Megamarsch angefangen? Das wäre wahrscheinlich die vernünftigere Entscheidung gewesen. Aber manchmal trifft man Entscheidungen, die man erst später bewertet.
Die ersten Kilometer: Noch voller Motivation
Die ersten 20 Kilometer liefen tatsächlich richtig gut. Ich war überrascht, wie schnell die anderen Teilnehmer unterwegs waren. Als junge 21-jährige Frau dachte ich mir anfangs wirklich: Wow, was für ein Tempo. Viele sind einfach an mir vorbeigezogen und ich war beeindruckt davon, wie routiniert manche bereits unterwegs waren.
Ich selbst hatte zwar keine Probleme mit der Ausdauer, aber schon früh wurde mir bewusst, dass ich eine falsche Entscheidung getroffen hatte: mein Schuhwerk. Bereits nach ungefähr 20 Kilometern fingen meine Fußballen an wehzutun. Ich dachte mir allerdings noch: Das wird schon. Spoiler: Es wurde nicht besser.
Im Nachhinein war das natürlich keine große Überraschung. Mit falschen Schuhen, meinen Kniescheibenproblemen und einer Autoimmunerkrankung waren die Voraussetzungen nicht unbedingt optimal. Trotzdem wollte ich nicht direkt aufgeben.
Von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt denken
Ein Tipp, den ich jedem zukünftigen Teilnehmer mitgeben kann: Denke nicht von Anfang an an die kompletten 50 Kilometer. Genau das war mein größter Fehler. Als ich irgendwann angefangen habe, die gesamte Strecke vor Augen zu haben, wurde es mental deutlich schwieriger.
Viel besser ist es, sich kleine Ziele zu setzen. Erst einmal bis zum nächsten Verpflegungspunkt kommen. Dann den nächsten Abschnitt angehen. Kilometer für Kilometer.
Für mich waren die Verpflegungspunkte nicht nur Pausen, sondern auch echte Motivationspunkte. Ich habe mich jedes Mal unglaublich gefreut, meine Arbeitskollegen und Buddys dort zu sehen. Diese kurzen Momente haben mir immer wieder neue Energie gegeben.
Der schwierigste Abschnitt beginnt
An der dritten Verpflegungsstation habe ich leider einen Fehler gemacht: Ich habe mich zu lange hingesetzt. Danach kamen die Schmerzen mit voller Wucht zurück. Rückenschmerzen, Hüftschmerzen, Fußschmerzen, Knieschmerzen und irgendwann auch verkrampfende Waden.
Zum Glück hatte ich einen unglaublich lieben Freund dabei, der mir irgendwann meinen Rucksack abgenommen hat.

Danke nochmal dafür! Leider wurde es dadurch nicht wirklich besser.
Nach der dritten Verpflegungsstation kamen dann einige Waldstücke, bei denen wir über Bäume steigen mussten, sowie einige Höhenmeter. Bergauf war zwar anstrengend, aber machbar. Das Bergabgehen hat mir allerdings gezeigt, wie schlecht mein Zustand mittlerweile war. Jeder Schritt wurde schwieriger und irgendwann hat sich gefühlt mein ganzer Körper verkrampft.
Ich war an diesem Punkt ehrlich gesagt enttäuscht von mir selbst, weil ich darüber nachdenken musste aufzuhören. Aber irgendwann muss man auch auf seinen Körper hören. Sich zu etwas zu zwingen, obwohl der Körper klare Signale sendet, bringt niemandem etwas.
Eine Begegnung, die ich nie vergessen werde
Irgendwann war ich körperlich so am Limit, dass ich anscheinend nur noch vor mich hingeschlichen bin. Mehrere Teilnehmer haben mich angesprochen und gefragt, ob alles in Ordnung sei.
Mental war ich zu diesem Zeitpunkt auch etwas angeschlagen. Nicht, weil ich nicht mehr wollte, sondern weil mein Körper einfach nicht mehr richtig mitgemacht hat.
Dann kamen zwei Frauen auf mich zu, die mich angesprochen haben. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte, dass ich aufgrund meiner Erkrankung keine Schmerztabletten nehmen darf. Dabei stellte sich heraus, dass eine der beiden Frauen auf einer Morbus Crohn Station gearbeitet hatte.
Da ich selbst an Morbus Crohn erkrankt bin, war das ein ganz besonderer Moment. Als sie davon erfahren hat, nahm sie mich einfach in den Arm und sagte mir, wie stolz sie auf mich sei. Sie sagte, dass es eine große Leistung sei, mit dieser Erkrankung so weit gekommen zu sein und sich so durchzukämpfen.
Ich gebe ehrlich zu: Ich war kurz davor zu weinen.
Dieser Moment hat mir noch einmal gezeigt, was für eine unglaubliche Community wir beim Megamarsch haben. Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, motivieren und füreinander da sind.
Mein persönliches Ziel wurde die nächste Verpflegungsstation
Ab diesem Zeitpunkt war mein Ziel nicht mehr das Ziel. Mein Ziel war die vierte Verpflegungsstation. Nach vielen qualvollen Schritten habe ich sie tatsächlich erreicht. Und dort habe ich für mich entschieden: Ich höre auf meinen Körper.
Ja, es waren nur noch ungefähr acht Kilometer bis zum Ziel. Natürlich war es schade, so kurz vor dem Ende aufzuhören. Aber in diesem Moment war es die richtige Entscheidung für mich.
An der Verpflegungsstation habe ich mich von meinem Freund verabschiedet, der weitergelaufen ist. Ich habe mich hingelegt und gewartet, bis die Station abgebaut wurde. Danach durfte ich mit unseren Logistikern im LKW zurück zum Ziel fahren.
Dort habe ich meinen Freund wieder getroffen und war unglaublich glücklich und stolz, dass er es geschafft hat. Gleichzeitig war ich auch ehrlich gesagt froh, nicht mehr weiterlaufen zu müssen.
Was ich aus meinem ersten Megamarsch mitnehme
Am Ende dachte ich wirklich: Das war meine persönliche Hölle. Ich habe mich gefragt, was ich mir da eigentlich angetan habe.
Aber genau dort wurde mir auch klar, was für eine unglaubliche Leistung unsere Teilnehmer jedes Wochenende erbringen. Wenn man selbst einmal auf dieser Strecke steht, versteht man erst wirklich, was hinter diesen Kilometern steckt.
Man versteht die Schmerzen, die Zweifel, die Momente, in denen man einfach weitermachen muss. Aber man versteht auch die Gemeinschaft, die Motivation und dieses unglaubliche Gefühl, wenn man über seine eigenen Grenzen hinausgeht.
Meine Zusammenfassung? Stand jetzt würde ich sagen: Das mache ich nie wieder.
Aber wenn ich ehrlich bin: Für einen 25 Kilometer Megamarsch könnte man mich wahrscheinlich noch überreden.
