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Die wichtigsten Kilometer meines Lebens

vor 10 Minuten
6 Min. Lesezeit

Huhu! 

Ich bin Anna, 22 Jahre alt und seit September 2025 Praktikantin im Orga-Team bei Megamarsch.

Mit meinem Start an der Macromedia Akademie im September 2024 sollte für mich ein neuer 

Abschnitt ins Berufsleben beginnen. Ich war mir sicher, dass die Arbeit als Eventmanagerin in 

Zukunft all meine Interessen vereinen und dafür sorgen würde, die Zeit bis zur Rente etwas 

erträglicher zu machen.


Doch das Leben hatte in diesem September noch andere Pläne für mich.

Meine Lymphknoten schwollen an und plötzlich war ich Krebspatientin. Hodgkin-Lymphom. Die 

„gute“ Art, wie viele sagen. Aber mit 20 Jahren, in der vermeintlichen Blüte seines Lebens, diese Diagnose zu verstehen und einzuordnen, dauert trotzdem seine Zeit. Heute geht es mir wieder blendend. Als ich mein Praktikum begann, lag das offizielle Ende meiner Therapie bereits anderthalb Wochen zurück. Doch um ehrlich zu sein, war das Erlebte noch lange nicht verarbeitet. Prioritäten, Denkweisen und Lebenseinstellungen hatten sich verändert. Dazu kamen die üblichen Struggles in den Zwanzigern und der Einstieg in ein Berufsleben, was nach meinen 

vorherigen Jobs mit Büroalltag ebenfalls völlig neu war. Meine Position im Team habe ich trotzdem schnell gefunden.


Die Welt mit Megamarsch neu kennenzulernen, hat mir viel Halt gegeben. Viel unterwegs sein, raus aus dem Alltag der letzten Monate und hinein in einen neuen Prozess der Selbstfindung.

Die Reise der Emotionen, von Vorfreude und Motivation an VPS 1 über Zweifel und den Appell 

an den eigenen Kampfgeist an VPS 4 bis hin zu Erleichterung und unendlichem Stolz im Ziel, hat 

mich schon bei meinem ersten Eventeinsatz in Stuttgart unglaublich beeindruckt. So sehr, dass ich am 21. März 2026 um 06:30 Uhr im Auto saß, auf dem Weg zum Start des Megamarsch Mönchengladbach.


21. März 2026 - Megamarsch Mönchengladbach - 50 Kilometer in 12 Stunden

Still sitzen konnte ich zwar noch nie besonders gut und ich war schon immer viel in Bewegung. Doch ein Jahr zuvor waren selbst kurze Distanzen zu Fuß kaum machbar gewesen. Die Chemotherapie hatte für Wasserablagerungen in meinen Beinen gesorgt. Umso nervöser waren meine Eltern, mich jetzt auf eine 50-Kilometer-Strecke loszulassen. Um ehrlich zu sein, steckte ich aber selbst irgendwo zwischen Vorfreude und Respekt fest.

07:15 Uhr. Nun ging es also los.

Verhältnismäßig unspektakulär, wie meine Begleitung Joline und ich recht schnell feststellten. Wir hatten uns zuvor einige Monate nicht gesehen und so verflogen die ersten Kilometer  zwischen dem neuesten Klatsch und Tratsch und der typischen Frage: „Ist das dieses Erwachsenwerden, von dem alle sprechen?“

Das Etappendenken von VPS zu VPS gab uns ordentlich Kraft. Jede Verpflegungsstation wurde 

zu einem kleinen Zwischenziel. Zumindest bis VPS 3 kamen wir entspannt und nahezu locker durch. Der Weg zur vierten Verpflegungsstation zog sich dann allerdings unerwartet. Die letzten fünf Kilometer taten weh und der Spaß war vorerst verflogen. Fast schon zwanghaft liefen wir rückwärts, hopsten im Hopserlauf weiter und erfüllten das Klischee von „Nach müde kommt blöd“ in Perfektion.


Nach der letzten Kurve, mit Blick auf das Ziel, rutschte mir dann sogar ein leicht enttäuschtes:„Mhh, das habe ich mir emotionaler vorgestellt.“ heraus. Dann kam der Einlauf in den Zielkanal.

Und plötzlich stehen da, völlig unerwartet, meine Eltern. Stolz wie Bolle auf mich. Stolz wie Bolle auf Joline. Und jaa, okay ... erwischt. Natürlich flossen die Tränchen.


Zwei lächelnde Läuferinnen im Zielbogen beim Megamarsch, eine klatscht ab; Schriftzug 2026 und Columbia, Stadion im Hintergrund.

Und natürlich war es noch emotionaler, als ich es mir jemals vorgestellt hatte. Doch nichts, was man nicht mit einer Bratwurst wieder in den Griff bekommen konnte. Vielleicht war es genau diese Bratwurst, die mich auf die Idee brachte, rein aus Interesse und  für den hypothetischen Fall irgendwann einmal einen 100er wagen zu wollen, vier Monate später im Ruhrgebiet bei Nacht im Startkanal zu stehen


25. Juli 2026 – Megamarsch Ruhrgebiet - 50 Kilometer bei Nacht

Kein Marsch ist wie der andere. Das habe ich schnell gemerkt. Tagesform, mentale Stärke, die körperliche Belastung der Vortage und die grundsätzliche Einstellung zum Marsch machen einen riesigen Unterschied. Und natürlich die Begleitperson. Meine Begleitung hatte diesmal deutlich längere Beine als ich. So waren wir zwar fix wie nichts wieder im Ziel, aber meine Gelenke erreichten deutlich früher einen Punkt, an dem selbst die Bratwurst um 03:45 Uhr nichts mehr retten konnte. Die Freude und der Stolz im Ziel waren trotzdem riesig.

Allerdings begleitet von einer ordentlichen Portion Übermüdung. Denn für jemanden, der normalerweise nach einem erfolgreichen Tag gerne bereits gegen 21:30 Uhr im Bett mummelt, sind 03:45 Uhr morgens im nüchternen Zustand und mit 50 Kilometern in den Knochen noch einmal eine ganz neue Herausforderung.

Das Fazit war daher schnell klar:

Kräfte besser einteilen. Weniger rennen. Mehr genießen. Und um mehr genießen zu können, entstand ein neuer Plan. Schönere Landschaft. Mehr für mich selbst laufen.

Keine Begleitung aus dem Privatleben, der man beweisen möchte, wie cool der eigene Job ist 

und was man bei der Arbeit eigentlich macht. Und auch nicht die volle Dröhnung Arbeitskollegen an den VPSen und im Ziel.

Also führte mich mein Weg nach Schaffhausen.


24. Oktober 2026 - Megamarsch Schaffhausen - 100 Kilometer mit Zwischenziel bei 50 Kilometern

Die Frage: „Wie viel mehr schaffe ich eigentlich als 50 Kilometer?“ Weit weg von zu Hause.

Und „nur“ drei Kollegen aus dem täglichen Büroalltag. Klingt doch perfekt.

Kleiner Einspieler aus dem Nachhinein: Achtet auf die Höhenmeter. 

Lächelnde Frau mit Pass vor nasser Mega-Marsch- und Columbia-Zeltwand im Regen.

Mir sind die 1.300 Höhenmeter erst morgens im Hotel so richtig bewusst geworden. Leicht eingeschüchtert, aber dennoch hoch motiviert, ging es also los. Laura und Frank, die ich bei meinem ersten Eventeinsatz in Stuttgart als fleißige Helfer kennengelernt hatte, waren nun meine Gurus und Wanderbegleiter.

Trotz der Höhenmeter waren die ersten 50 Kilometer körperlich tatsächlich weniger belastend als die 50 Kilometer im Ruhrgebiet. Das angepasste Tempo war also schon mal eine gute Idee gewesen. Auch mental konnte ich mich deutlich mehr treiben lassen. Die Landschaft tat ihr Übriges und ganz ehrlich: Landjäger und Käsebrote sorgen bei mir ohnehin für erstaunlich gute Laune. Das Wetter hingegen hätte gerne etwas kooperativer sein dürfen. Die Luft war angenehm, aber ein bisschen trockener hätte es ruhig sein können.

Im Zwischenziel dann die bekannten Gesichter von Lara und Leon, meinen Megamarsch-Office Kollegen, zu sehen, war natürlich auch ganz schön. Doch nachdem Lara, ähnlich stolz wie meine Mama einige Monate zuvor in Mönchengladbach, ein Video in die Whatsapp Gruppe des Büros geschickt hat wuchs der Druck und das  Gedankenkarusell war plötzlich üppig am Wirbeln.

Bereits drei Kilometer nach dem Zwischenziel wurde mir unglaublich warm. Die Übelkeit kam plötzlich und mit ihr Schmerzen an Stellen, die sich vorher noch völlig in Ordnung angefühlt 

hatten. Bei Kilometer 56 stand Lara als unser Medienteams am Streckenrand.


Und alles in mir schrie nur noch:"Setz dich hin."

Zu akzeptieren, dass mein Kreislauf die Entscheidung trifft, dass hier nun Schluss ist, fiel mir 

unglaublich schwer. Ich bin ehrgeizig. Vielleicht manchmal zu ehrgeizig. Grenzen zu akzeptieren, gehört nicht gerade zu meinen Paradedisziplinen und normalerweise lebe ich eher nach dem Motto: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." In diesem Moment schoss mir also alles durch den Kopf.

"Ich habe im Krankenhaus Online-Klausuren geschrieben."

"Ich habe während der Chemo an Onlinevorlesungen teilgenommen."

"Ich habe vermeintlich schon so viel mehr weggesteckt."

"Hier kann doch jetzt nicht Schluss sein."

Gleichzeitig war mein eigentliches Ziel längst verloren gegangen. Es ging plötzlich gar nicht mehr darum, für mich selbst zu laufen. Es ging darum, niemanden zu enttäuschen. Nicht meine Kollegen. Nicht meine Freunde. Nicht meine Familie.

Der Gedanke, in die WhatsApp-Gruppe schreiben zu müssen, dass ich ausgestiegen bin, fühlte 

sich beschämend an.

Meine Eltern anzurufen und zu sagen: "IcH hAbE eS nIcHt GeScHaFfT..." fühlte sich noch schlimmer an. Lange Zeit hat genau dieser Gedanke verhindert, stolz auf diesen Tag zu sein. Weil ich keine 100 Kilometer gelaufen bin. Weil ich diesen Marsch nicht so beendet habe, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Doch je mehr Zeit vergangen ist, desto mehr habe ich verstanden, dass ich die falsche Frage gestellt habe.

Nicht: "Warum habe ich die 100 Kilometer nicht geschafft?"


Lächelnde Frau hält im Regen den schwarzen MEGA MARCH WANDERPASS vor historischen Häusern auf einem Platz.

Sondern:"Warum bin ich eigentlich nicht stolz auf das, was ich geschafft habe?"

Denn die Wahrheit ist: Ich bin 56,4 Kilometer mit über 1.200 Höhenmetern rund um Schaffhausen gelaufen. Ich hatte wundervolle Begleitung. Ich hatte einen großartigen Tag. Ich habe meine Arbeitskollegin und Freundin Lara noch einmal von einer völlig neuen Seite 

kennengelernt.

Und vielleicht noch wichtiger: Ich habe mich selbst noch einmal neu kennengelernt. Ich habe gelernt, dass Stärke nicht immer bedeutet, weiterzugehen. Manchmal bedeutet Stärke auch, anzuhalten. Zu akzeptieren, dass der Körper Grenzen hat. Im Hier und Jetzt zu leben. Und stolz auf sich zu sein, obwohl das Ergebnis nicht dem ursprünglichen Plan entspricht. Wenn ich durch meine Krebserkrankung eines gelernt habe, dann eigentlich genau das:

Das Leben fragt selten danach, was wir geplant haben. Aber es schenkt uns immer wieder Chancen, etwas über uns selbst zu lernen. Und vielleicht war Schaffhausen genau deshalb einer meiner wertvollsten Megamärsche.

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