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Vom Kilimandscharo zum Megamarsch

Tom Belz hat nur noch ein Bein. Das rechte. Im Alter von acht Jahren bekam er die Diagnose: Osteosarkom – ein seltener, bösartiger Tumor im Knochen. „Der Krebs hat damals mein linkes Bein bei sich behalten. Dafür durfte ich weiterleben,“ sagt Tom. Von heute auf morgen war alles anders. Und trotzdem hat er nie aufgehört, sein Leben so zu leben, wie er möchte. „Ich hatte schon immer einen Dickkopf,“ lacht er und erzählt: „Es gab eine Menge Leute, die immer und immer wieder gesagt haben, dass ich dies oder jenes nicht schaffe, dass ich eine Prothese brauche oder noch besser einen Rollstuhl. Mir wurden so viele Steine in den Weg gelegt.“ Mit 32 Jahren kam der Tag, an dem er ein Zeichen setzen wollte. Indem er allen zeigt, was mit einem Bein möglich ist. Sein Ziel: mit einem Bein und zwei Krücken auf den 5.895 Meter hohen Gipfel des Kilimandscharo.


Tom Belz am Start vom Megamarsch Frankfurt presented by Columbia

Das Unschaffbare schaffen

August 2018: Gemeinsam mit Dr. Klaus Siegler – seinem Freund und Arzt – nimmt er den Aufstieg zum höchsten Berg Afrikas in Angriff. Und schafft ihn. Nach der Bein-Amputation haben die beiden die komplette Therapie gemeinsam erlebt. „Ich wollte auch Klaus beweisen, zeigen, was er aus mir gemacht hat. Sozusagen als Dankeschön.“


Das Projekt beschreibt allerdings viel mehr als den Weg auf einen Berg. Es verdeutlicht Toms Lebenseinstellung. Er will zeigen, dass das Unschaffbare schaffbar ist – und das allen nahebringen, die an sich zweifeln: „Jede*r von uns hat den ganz persönlichen, eigenen Kilimandscharo in sich. Er steht für das Päckchen im Leben, das jede*r zu tragen hat. Ganz egal, um was es geht: wir können alle unsere Ziele erreichen. Wir müssen uns nur etwas vornehmen. Und es dann einfach machen. Am besten in guter Gesellschaft.“


Tom Belz und sein Team im Ziel vom Megamarsch Frankfurt presented by Columbia

Wie der Terminator – nur besser

Als Kind, als Jugendlicher und auch als Erwachsener: Tom Belz probiert schon immer alles aus, was ihn interessiert und was ihm Spaß macht. Das fehlende Bein hindert ihn daran nicht. Ob Fußball im Pausenhof oder Schlagzeug in einer Heavy Metal Band: der Offenburger findet seinen eigenen Weg, um jede Herausforderung zu meistern. So auch in Sachen Prothese, die für ihn nie in Frage kam – und das, obwohl er als Kind von dem futuristischen Ersatzbein erst einmal vollauf begeistert war: „alle haben gesagt, dass ich mit einer Prothese aussehe wie Arnold Schwarzenegger in Terminator. Das fand ich als Kind total cool. Ich wollte sofort eine haben, so sein wie mein damaliges Idol. Natürlich habe ich die Prothese bekommen. Aber, als sie dran war, kam die Ernüchterung. Sie hat sich angefühlt wie sich eben ein sperriges, schweres Alu-Bein anfühlt. Ich bin überhaupt nicht vorwärts gekommen, gehumpelt und war enttäuscht. Die Prothese hat mich einfach nur behindert,“ erklärt Tom. Seitdem hat er nie wieder eine getragen.


Feuer und Flamme

„Mir wurde gesagt, dass ich 140 Prozent leisten muss, um mein fehlendes Bein auszugleichen,“ so Tom. Die Vorbereitung auf seine Kilimandscharo-Expedition bestand aus Fitnessstudio-Besuchen und Touren auf dem Wäldersteig (973 Meter) im Schwarzwald sowie das Äußere Barrhorn (3610 Meter) in der Schweiz.


„Nachdem ich fast schon immer auf Krücken unterwegs bin, habe ich mich im Alltag an die Belastungen gewöhnt. Anders sieht es aus, wenn besondere Projekte auf dem Plan stehen,“ erklärt Tom. Und eines dieser nächsten Projekte heißt: Megamarsch Frankfurt. „Ich habe mich riesig gefreut, als mich mein Partner Columbia angerufen hat – mit der Frage, ob ich bei einem Megamarsch teilnehmen möchte. Ich war sofort Feuer und Flamme,“ erzählt Tom.


Tom Belz und sein Team unterwegs auf der Strecke beim Megamarsch Frankfurt presented by Columbia

Auf glühenden Kohlen

Drei Monate nach der Anmeldung war es am 8. Oktober 2023 soweit: Startschuss zum Megamarsch Frankfurt. Tom startete in einer Staffel, die er eigens aus seinem Freundeskreis zusammengestellt hat. Seine Strecke: 16,51 Kilometer. „Wie auch schon am Kilimandscharo habe ich bei meinen Projekten immer sehr gerne Menschen dabei, die mir nahestehen. Deshalb wollte ich in Frankfurt unbedingt – ausnahmsweise – mit einer Staffel teilnehmen.“


Beim Megamarsch gehen alle an ihre Grenze. Aber bei allen Teilnehmenden sieht diese Grenze anders aus. Sie kommt früher oder später, aber sie kommt. Das ist das, was Tom an der Veranstaltung fasziniert: „Obwohl alle unterschiedliche Ziele haben, ist der Weg trotzdem für alle gleich. Wenn es hart wird, müssen wir alle die Zähne zusammenbeißen und uns durchkämpfen. Und das ist doch das Tolle daran.“ Fünf Stunden war Tom unterwegs. Am Ende hat der staatlich geprüfte Erzieher seinen Fuß kaum noch gespürt vor lauter Schmerzen. Schlimmer ging es allerdings seinen Händen:


Jeder Schritt fühlte sich an, als würde ich auf glühenden Kohlen gehen – und die Entfernung schien schier endlos. In meinem Fall waren die Schmerzen in meinen Händen aufgrund der Krücken besonders intensiv. Das ständige Abstützen und Abstoßen auf den Gehhilfen verlangte meiner oberen Körperhälfte alles ab

„Jeder Schritt fühlte sich an, als würde ich auf glühenden Kohlen gehen – und die Entfernung schien schier endlos. In meinem Fall waren die Schmerzen in meinen Händen aufgrund der Krücken besonders intensiv. Das ständige Abstützen und Abstoßen auf den Gehhilfen verlangte meiner oberen Körperhälfte alles ab.“


Doch es hat sich gelohnt. Gemeinsam mit seinem Team hat er die 100 Kilometer geschafft. Müde, aber glücklich kommt ein Teil der Staffel schließlich auch gemeinsam ins Ziel. Mit einer Medaille um den Hals stehen sie kurz hinter der 100-Kilometer-Markierung, die Hände in der Höhe, ein Lächeln im Gesicht. Alle Schmerzen: fast vergessen.





Tom Belz im Podcast

Das Leben mit einem Bein, der Weg zum Kilimandscharo, die Teilnahme am Megamarsch Frankfurt: über all das und noch viel mehr haben wir mit Tom Belz in unserem Podcast „Von 0 auf 100“ geredet. Hör rein – überall, wo es Podcasts gibt.


Tom Belz im Podcas vom Megamarsch "Von 0 auf 100"

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