Mehr als nur schmerzende Beine
- Team Megamarsch
- 9. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Wie der Megamarsch mir den Weg zurück ins Leben zeigte
Wofür bedankt man sich eigentlich, wenn man nach 50 Kilometern völlig erschöpft im Ziel steht?Für ein verschwitztes T‑Shirt? Für brennende, schmerzende Waden und Oberschenkel?
Nein. Für weit mehr als das.
Um zu verstehen, warum dieser Megamarsch für mich eine ganz besondere Bedeutung hatte, möchte ich euch meine Geschichte erzählen.

Der Einschnitt
Am 27.11.2025 hatte ich auf dem Weg zur Arbeit einen schweren Verkehrsunfall. Auf der Autobahn geriet ich auf Blitzeis ins Schleudern und prallte frontal mit etwa 120 km/h gegen eine Begrenzungsmauer. Mein Überlebensinstinkt funktionierte, ich konnte mich eigenständig aus dem Fahrzeug befreien und auf die Fahrbahn retten.
Zwei Ersthelfer kümmerten sich sofort um mich, bis schließlich Einsatzkräfte eintrafen. Doch selbst das gestaltete sich schwierig: Auf nur 500 Metern waren an diesem Morgen insgesamt vier Unfälle passiert, jeweils zwei pro Fahrtrichtung. Erst nach einer erneuten Meldung der Ersthelfer konnten die Rettungskräfte zu mir durchdringen.
Im Krankenhaus wurde zunächst „nur“ ein Brustwirbelbruch festgestellt, der operativ mit einem Fixateur versorgt werden musste. Doch die Gedanken spielten verrückt:werde ich jemals wieder richtig laufen können?Wie geht es jetzt weiter?Und was, wenn…?
Es folgten und folgen bis heute intensive Krankengymnastik und Physiotherapie, fünfmal pro Woche.

Eine verrückte Idee
Am 29.01.2026 telefonierte ich mit Megamarsch. Ich schilderte ihr kurz meine Geschichte und fragte vorsichtig nach Behindertentickets für den Megamarsch. Obwohl bei mir noch kein Schwerbehindertenausweis vorlag, zeigte sie mir sofort eine Lösung auf, wie ich mit einer Begleitperson teilnehmen könnte.
Völlig euphorisch fragte ich Familie, Freunde und Bekannte, ob mich jemand begleiten würde.Die Reaktion von etwa 98 %:„Du spinnst.“„Werde erst einmal richtig gesund.“„Mach das nächstes Jahr, wenn der Fixateur draußen ist.“
Nur eine Person reagierte anders: Deniz, erfahrener Megamarsch-Teilnehmer. Sein Satz blieb mir im Kopf:
„Es ist völlig egal, wie weit du kommst. Ob 5 km, 10 km oder 20 km, der erste Schritt ist der Weg zurück ins Leben.“
Das war der Moment, in dem ich mich anmeldete.
Vorbereitung mit Herz und Unterstützung
Ich begann mit kleinen Spaziergängen. Meine Lebensgefährtin unterstützte mich in jeder Hinsicht: Magnesium, Elektrolyte, Laufsocken und sie holte mich bei Bedarf überall mit dem Auto ab. Meine längste Trainingseinheit: knapp 20 Kilometer.
Mein persönliches Ziel war klar: Ich wollte mindestens die zweite Verpflegungsstation erreichen.
Zwei Wochen vor dem Megamarsch musste ich das Training jedoch komplett einstellen. Starke Schmerzen und ein weiterer familiärer Notfall ließen nichts anderes zu. Am Abend vor dem Start zweifelte ich ernsthaft, ob es richtig war, überhaupt anzutreten.
Doch meine Lebensgefährtin blieb ruhig und stark. Am 21.03.2026 setzte sie Deniz und mich in Mönchengladbach ab mit den Worten:„Ich hole euch jederzeit wieder ab.“
Schritt für Schritt
Der Check-in lief unkompliziert. Tickets gescannt, Wanderpass erhalten und plötzlich standen wir in der Startschlange. Die Stimmung war fantastisch, die Motivation greifbar. Unsere Startzeit war 9:15 Uhr, um 9:20 Uhr gingen wir auf die Strecke.
Es folgten viele kleine Begegnungen, kurze Gespräche, aufmunternde Worte. In Wohnsiedlungen applaudierten Anwohner, hielten Plakate hoch oder boten sogar kleine, inoffizielle Verpflegungen an.
Das 5‑km‑Schild kam schneller als gedacht. Auch die 10 km fühlten sich überraschend gut an.An der ersten Verpflegungsstation ging es zügig weiter: Kaffee wegbringen, Saft trinken, Banane einpacken und weiter.

Im Park genossen wir das Tempo, die Atmosphäre, 15 km geschafft. Kurz vor Kilometer 20 überholten wir ein älteres Paar, etwa 70 bis 75 Jahre alt, Händchen haltend. Es war unglaublich inspirierend. Viele Teilnehmer – auch wir – drosselten das Tempo, spendeten Lob und Mut.
An der zweiten Verpflegungsstation machten wir eine kurze Pause. Mein selbst gesetztes Ziel war erreicht.
Der Wille entscheidet
Ab km 25 begannen die Oberschenkel zu ziehen, die Waden wurden schwer. Nach der dritten Verpflegungsstation nahmen wir bewusst Tempo raus. Bei km 35 hieß es dann: Endspurt.
Aufgeben war ab diesem Moment keine Option mehr.
Wir liefen durch Wälder, über Wiesen, entlang von Wasserläufen, entdeckten sogar einen Storch im Nest. An der vierten Verpflegungsstation wurden die Beine mit Anikasalbe behandelt, dann der letzte Abschnitt.
Die Teilnehmer waren inzwischen weit auseinandergezogen. Das ersehnte 45‑km‑Schild übersahen wir und plötzlich stand da 46 km. Die Schmerzen wurden intensiv. Doch ab dem 47‑km‑Schild war alles vergessen. Die Beine wurden schneller, der Kopf klar.
Und dann: Zieleinlauf.
Ein unbeschreibliches Glücksgefühl.

Danke für diesen Weg zurück ins Leben
Zusammenfassend kann ich nur sagen: Top Veranstalter. Von der unbürokratischen Problemlösung über Organisation, Verpflegung, Routenwahl, Wohnsiedlungen und Natur perfekt kombiniert. Einfach MEGA.
Ihr habt so viele besondere Momente möglich gemacht: gegenseitige Motivation, ehrliche Gespräche, echte Unterstützung.
Ich hätte selbst nie damit gerechnet, zu finishen.Doch dank euch habe ich den Weg zurück ins Leben gefunden.
Egal ob jung oder alt, trainiert oder untrainiert – alles beginnt mit dem ersten Schritt.
Dankeschön. Jens
PS: Es wird definitiv nicht mein letzter Megamarsch gewesen sein.



