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Warum ich laufe und warum Aufgeben keine Option mehr ist!

Ein Erfahrungsbericht von Kevin


Mein Früheres Ich


Damals war ich alles andere als sportlich. Über 185 Kilo, schnell außer Atem, starkes Schwitzen schon bei kleinsten Belastungen. Dazu gesundheitliche Probleme, die man nicht wegdiskutieren kann:  Herzprobleme, Knie- und Rückenschmerzen. Bewegung war kein Hobby, sondern eine Baustelle. Und genau da begann alles.


Der Megamarsch kam nicht als sportliche Challenge in mein Leben, sondern als Entscheidung. Eine Entscheidung für Veränderung. Für Verantwortung. Für meine Gesundheit. Und letztlich: für mich selbst.

Der Beginn


Bis heute habe ich an fünf Megamärschen teilgenommen. Drei Mal in Stuttgart, zwei Mal in Freiburg. Jeder einzelne war anders. Jeder hatte seine eigenen Höhen und Tiefen. Wer einmal nachts bei Kilometer 60 unterwegs war, weiß: Ab einem gewissen Punkt läuft nicht mehr nur der Körper. Da läuft vor allem der Kopf. Und der ist manchmal ziemlich überzeugend, wenn es darum geht, warum Aufhören gerade eine brillante Idee wäre.


2024 in Stuttgart hat dieser innere Dialog gewonnen. Bei Kilometer 86 musste ich den Megamarsch mit starken Schmerzen beenden. Kein Finish. Kein Zielbogen. Aber eine ehrliche Erfahrung. Und manchmal sind genau das die, aus denen man am meisten lernt.

Warum ich mich für Megamarsch entschieden habe? 


Was den Megamarsch für mich fast genauso besonders macht wie die Strecke selbst, ist die Atmosphäre. Vom ersten Kilometer an spürt man: Hier geht niemand wirklich allein. Fremde Menschen werden zu Weggefährten, Gespräche entstehen ganz automatisch und alle verfolgen dasselbe Ziel. Mit jedem Kilometer verändert sich die Stimmung. Je weiter man kommt, desto ruhiger wird es. Und desto präsenter wird der eigene Kopf.



Mein erstes Finish


Die Strecken selbst hatten es immer in sich. Viele Höhenmeter, lange Anstiege. Gerade für mich eine enorme Herausforderung, vor allem 2023, als ich noch mit deutlich höherem Gewicht unterwegs war. Die größte mentale Belastung beginnt für mich in der Nacht. Wenn es dunkel wird, die Beine schwer sind und die Müdigkeit jede Bewegung infrage stellt.


Meinen ersten Megamarsch 2023 bin ich mit meinem Bruder gelaufen. Und rückblickend war genau das ein entscheidender Faktor. Bei Kilometer 70, auf dem Weg hinauf in die Esslinger Weinberge, war Aufgeben mehr als einmal in meinem Kopf. Die Beine wollten nicht mehr, der Kopf suchte Auswege. Aber ich war nicht allein. Mein Bruder war da. Hat motiviert, gezogen, nicht lockergelassen. Aufgeben war plötzlich keine Option mehr.


Gemeinsam haben wir unseren ersten 100-Kilometer-Megamarsch gefinisht. Dieses Gefühl im Ziel – leer, erschöpft und gleichzeitig unglaublich stolz – ist bis heute das größte und schönste, das ich mit dem Megamarsch verbinde. Daran denke ich noch oft zurück.


2024 bin ich allein gestartet. Und schon bei Kilometer 80 war klar: Das wird nicht reichen. Ich habe mich bei Kilometer 86 ins Ziel geschleppt – ohne Finish, aber mit einer klaren Erkenntnis: Auch Scheitern gehört zu dieser Reise dazu.



Ein besonderer Moment


2025 ging ich mit einem Kumpel an den Start. Für ihn endete der Megamarsch leider schon bei Kilometer 25. Auf dem Weg zum ersten Verpflegungspunkt schloss sich mir dann Steffi an – mit den Worten: „Na, wie ist die Luft da oben?“ (Man muss dazu sagen: Ich bin 1,93 m groß.) Was als lockerer Spruch begann, wurde zu einer der prägendsten Begegnungen meiner Megamarsch-Geschichte. Der Dank dafür?


Ein gemeinsames Finish in Stuttgart und Freiburg. Und mehr noch: 2025 hat es in Freiburg sogar zum Silber-Challenger gereicht. Für 2026 steht ein großes Ziel im Raum: Gemeinsam mit Steffi wollen wir in Stuttgart und Freiburg nach dem Lokalmatador greifen.



Warum ich 100 Kilometer bevorzuge:


Viele unterschätzen den Unterschied zwischen 50 und 100 Kilometern. Er ist enorm. Bei 100 km ist der Kopf anders eingestellt, man weiß von Anfang an: Du läufst durch die Nacht. Trotzdem überwiegt für mich die Vorfreude. Ich gehe lieber die 100 km. Sie sind körperlich und mental die größere Herausforderung und genau das reizt mich. Mit jedem Megamarsch merkt man die Entwicklung. Die Kondition steigt, die Abläufe werden klarer, die Vorbereitung gezielter. 2024 war ich bis Kilometer 80 topfit und deutlich schneller unterwegs als je zuvor, dann kamen Magenprobleme. Und mental war Schluss. Auch das gehört dazu.


Egal ob 50 oder 100 Kilometer: Dein Körper kann weit mehr leisten, als du glaubst. Bei 100 km entscheidet nicht der Körper, sondern deine Einstellung. Dein Wille. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Egal wie steinig oder schwer er ist.


Mein Gewichtsverlust hat auf dieser Reise eine entscheidende Rolle gespielt. In den ersten Jahren habe ich bei jedem Anstieg geschnauft wie eine Dampflok. 2025 fühlte sich vieles plötzlich leichter an. Weniger Anstrengung, mehr Kontrolle. Ich konnte komplett durchziehen. Ein Gefühl, das mir gezeigt hat, was möglich ist, wenn man dranbleibt.


Am Ende ist es egal, ob jemand groß oder klein ist, dick oder dünn. Jeder kann es schaffen, wenn er bereit ist, über sich hinauszuwachsen. Und jeder, der es versucht, zeigt bereits Stärke – unabhängig davon, wie viele Kilometer am Ende erreicht werden.



Beim Megamarsch gilt: Dabei sein ist alles.


Du bist auf der Strecke fast nie allein. Es sind so viele herzliche Menschen unterwegs, die motivieren, pushen und auffangen. Du kannst deine Grenzen austesten, ohne sie allein überwinden zu müssen.


Der Megamarsch ist für mich nicht mehr wegzudenken. Zu wissen, dass an Tag X wieder gestartet wird, erfüllt mich mit Vorfreude. Und es gibt einen großen Plan: Wenn ich mein Zielgewicht erreicht habe, möchte ich in einem Jahr alle Megamärsche – 50 und 100 Kilometer – bewältigen, die über das Jahr verteilt angeboten werden. Ein Ziel, das sich seit 2025 fest in meinem Kopf eingebrannt hat. Denn wenn mich diese Reise eines gelehrt hat, dann das: Grenzen sind oft weiter weg, als wir denken. Man muss nur den Mut haben, loszugehen.


Abschließend sag ich: "Trau dich, geh los" :-)



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