Mein erster Megamarsch in Mönchengladbach – 50 Kilometer zwischen Euphorie, Schmerzen und purem Willen
- Team Megamarsch
- vor 1 Tag
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Ein Erfahrungsbericht von Moritz vom Team Megamarsch

Die Entscheidung: Warum ich mich der Challenge unbedingt stellen musste
Als Mitarbeiter bei Megamarsch kenne ich die Geschichten, die Emotionen und den Mythos, der um jeden einzelnen Marsch entsteht. Ich sehe Jahr für Jahr Teilnehmerinnen und Teilnehmer an ihre Grenzen gehen – und darüber hinaus. Irgendwann war klar: Ich muss das selbst erleben. Nicht als Organisator, sondern als Teilnehmer.
Auch wenn meine Vorbereitung ehrlicherweise sehr überschaubar war. Der einzige Trainingsmarsch waren etwa 20 km zwei Wochen zuvor. Und da fühlten wir uns – meine zwei besten Freunde, Sascha und Pascal, die mit mir den Megamarsch absolvieren wollten, und ich – super. Keine Schmerzen, gute Laune, gute Pace. Wir dachten: „Wenn 20 km so easy sind, packen wir 50 km locker.“ Wie sehr man sich doch täuschen kann.
Der Start – Jetlag, kuriose Szenen und erste Euphorie
Passenderweise kam ich gerade erst von einer Woche in Las Vegas zurück. Jetlag war also mein ständiger Begleiter. Trotzdem klingelte der Wecker um 7 Uhr. Mit dem Bus ging es zum Borussia-Park, Startpunkt des Megamarsch Mönchengladbach.
Dort traf ich meine Freunde, wir checkten ein, ich aß ein Brötchen – und dann passierte das erste Kuriosum des Tages: Unsere Startgruppe lief einfach los. Einfach so. Ohne Ansage. Ohne Aufforderung. Dietmar, unser Moderator, war völlig perplex. Sein Blick, als er realisierte, dass wir einfach schon auf der Strecke waren, gehört für mich jetzt schon zu den Highlights des Tages.

Bis zur ersten VPS – überraschend locker
Die ersten Kilometer fühlten sich an wie ein Spaziergang. Die Beine waren frisch, die Stimmung top. Ich wunderte mich über mich selbst, mit meinem Schlafrhythmus hätte ich eigentlich erwartet, direkt platt zu sein.
An der ersten Verpflegungsstation traf ich meine Kollegin Jone. Traditionell gab es natürlich ein Käsebrot. Wie immer, wenn ich die Station selbst leite. Ein kurzer Plausch, Sanotact eingeworfen, Stimmung gut. Weiter ging’s.
Der lange Abschnitt zur VPS2 – Routine, gute Laune, Käsebrot Nummer 2
Der Weg zur zweiten Verpflegungsstation ist der längste Abschnitt des gesamten Megamarschs in Mönchengladbach. Trotzdem lief alles erstaunlich rund. Es war fast eine Kopie unseres Trainingsmarschs: fit, locker, motiviert.
An VPS2 begrüßte mich Max, der mir direkt ein Käsebrot mit Extra-Käse in die Hand drückte, einfach perfekt. Meinen Freunden ging es ebenfalls gut, bis auf Sascha, der mit ständig aufspringenden Schnürsenkeln kämpfte.

Zwischen VPS2 und VPS3 – die ersten echten inneren Kämpfe
Nach VPS2 wurde der Marsch ernster. Meine beiden Freunde wurden langsamer, also setzte ich mich ein paar hundert Meter ab. Wir hatten vorher ausgemacht: Jeder läuft sein Tempo. Niemand zieht jemanden, niemand bremst für jemanden ab.
Eine rote Ampel brachte uns wieder zusammen, und kurz darauf zog Sascha das Tempo an. Pascal und ich blieben zusammen, ab hier wurde es zum ersten Mal wirklich hart.
Pascal fragte immer wieder, wie weit es noch bis zur nächsten VPS sei. Zwischen seinen Fragen lagen nur ein paar hundert Meter, aber es fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Meine Füße begannen zu brennen, und ich wusste: An VPS4 schaue ich mir die Füße genau an.

VPS4 – Der Wendepunkt und mein größter Fehler
Als wir an VPS4 ankamen, ging Sascha gerade wieder los Richtung Ziel. Er war voll im Flow.
Ich war überzeugt, unter meinen Schmerzen müssten jede Menge Blasen stecken. Doch Fehlanzeige: keine einzige.
Dann kam mein Anfängerfehler. Ich trug seit Beginn Seidensocken unter meinen normalen Socken. Ein super Trick, der jahrelang empfohlen wird, um Reibung zu minimieren. Es funktionierte auch perfekt.
Aber nach 40 km, mit matschigem Kopf, schob ich meine gesamten Fußschmerzen einfach auf diese Socken und zog sie aus. Rückblickend der größte Fehler des ganzen Tages.
Pascal und ich liefen weiter – deutlich langsamer, aber immerhin weiter.
Die letzten 10 Kilometer – Dunkelheit, Schmerz und Kampf gegen mich selbst
Kurz nach VPS4 merkten wir, dass unsere Pace massiv eingebrochen war. Statt wie geplant zwei Stunden brauchten wir nun drei Stunden für die letzten zehn Kilometer. Das nagte extrem an der Psyche.
Ein Red Bull gab Pascal einen kleinen Schub, sodass er sich langsam von mir entfernte. Bis etwa drei Kilometer vor dem Ziel konnte ich ihn sehen, dann verlor ich ihn aus den Augen.
Mittlerweile war es dunkel. Ich war körperlich am Limit, mental sogar noch darüber. Jedes Mal, wenn ich an Menschen vorbeiging, die entspannt am Bürgersteig saßen, dachte Ich:
„Soll ich mich nicht einfach dazu setzen? Nur kurz?“ Aber ich tat es nicht.
Dann vibrierte mein Handy. Eine Nachricht von Sascha: „Ich bin im Ziel.“ Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch 2,5 Kilometer vor mir.
Und dann schlugen die Folgen meiner Seidensocken-Entscheidung endgültig zu: Auf den letzten Kilometern bildeten sich große Blasen und ca. 1,5 km vor dem Ziel platzte eine beim Auftreten.
Der Schmerz war so intensiv, dass ich ihn kaum in Worte fassen kann. Jeder Schritt brannte, stach, pochte. Aber der Borussia-Park war in Sicht. Also lief ich weiter.
Der Zieleinlauf – Emotionen, Erleichterung und purer Stolz
Als ich die letzte Kurve nahm, stiegen mir die Tränen in die Augen. Die Emotionen, die Erschöpfung, die Erkenntnis: Ich schaffe es wirklich.
Beim Durchlaufen des Zielbogens schrie ich, so laut wie seit Jahren nicht mehr. Ein Urschrei voller Erleichterung und Stolz.
Ich konnte kaum noch laufen, aber das Finisherbier? Das musste sein.

Nie wieder? Doch – selbstverständlich wieder!
Direkt nach dem Megamarsch sagten wir alle drei: „Nie wieder! Wirklich nie wieder.“ Aber kaum war der Schmerz verarbeitet, blieb etwas anderes zurück:
Stolz. Wachstum. Die Erkenntnis, wozu man fähig ist.
Und so haben wir uns, natürlich, wieder angemeldet. Dieses Mal für Düsseldorf.
Der Megamarsch Mönchengladbach war der härteste Tag meines Lebens. Aber auch einer der prägendsten.
Sportliche Grüße
Euer Moritz vom Team Megamarsch






