· 

#WIRGEHENWEITER Jahresauftakt

Ein Wochenende, ein ehrgeiziger Plan und ein Haufen neuer Erfahrungen… So würde ich das vergangene Event beschreiben, bei dem ich mir das Ziel gesetzt hatte, alleine von Kerpen bis nach Wipperfürth zu wandern. Fleißig habe ich in den letzten Wochen meine Kondition trainiert und mich auch nicht von plötzlichen Wintereinbrüchen vom Wandern abhalten lassen. Mit einem gut gepackten Rucksack und einer riesigen Vorfreude auf dieses Miniabenteuer ging es für mich bereits Freitags morgens los.

Aufbruch

Punkt 7:38 Uhr verlasse ich meine WG und begebe mich auf den Weg in Richtung Frechen, das erste Etappenziel meiner heutigen Wanderung. Hoch motiviert stoße ich allerdings nach etwa 2 Kilometern auf mein erstes Hindernis. Eine große Absperrung verhindert mein Weiterkommen und verrät mir, dass in wenigen Metern eine Baustelle beginnt, deren Betreten selbstverständlich verboten ist. Etwas ratlos betrachte ich das Display meines Handys. Da ich hier wohl nicht weiterkommen werde, muss ein neuer Plan her. Entweder ich wandere den Weg komplett zurück und plane den Routenanfang nochmal neu oder ich erklimme die rechts von mir liegende Böschung, um auf einen etwas höher gelegenen Wanderweg zu gelangen. Da ich meine Wanderung vor meinem geistigen Auge bereits scheitern sehe, entscheide ich mich für den mit Brombeeren bewachsenen Hang. Durch die vielen Ranken, den matschigen Untergrund, sowie die mit dieser Entscheidung einhergehenden Höhenmeter bin ich ziemlich aus der Puste, als ich endlich oben ankomme. Der sogenannte Weg, der sich dort laut Karte befinden soll, zeigt sich mir nicht sofort. Durch einige umgefallene Bäume und eine Menge Gestrüpp scheint meine Kletterpartie noch nicht zu Ende zu sein. Mit einem Auge auf meinem Handy und dem anderen auf meine Umgebung, kämpfe ich mich bis auf einen Kiesweg, der mir einen Blick auf die nun unter mir liegende Baustelle eröffnet. Eine Durchquerung ist unmöglich, sodass ich einen Umweg von etwa 2 Kilometern in Kauf nehme. Danach wird es endlich leichter und mein Weg führt, nachdem ich den Wald und Frechen hinter mir gelassen habe, endlich auf geradem Weg in Richtung Köln.

 

Köln

… ist und bleibt meine Heimatstadt. Der Ort, an dem ich groß geworden bin und heute auch Schauplatz meines längsten Streckabschnitts. Mühelos marschiere ich mit meinem Rucksack über die Aachenerstraße und freue mich über das Gefühl, nach Hause zu kommen. Unterwegs decke ich mich noch mit einer Notfall-Ration Blasenpflaster ein und freue mich über die interessierten Fragen des Apothekers zu meiner Wanderung. Ein Thema des Gespräches ist das Wandern mit Mund-Nasen-Schutz. Zugegeben, es ist nicht besonders angenehm durch die Kölner Innenstadt zu marschieren und gleichzeitig kaum Luft durch die FFP2-Maske in meinem Gesicht zu bekommen. Da ich nicht gerade langsam unterwegs bin, habe ich nach einiger Zeit das Gefühl, dass die Maske praktisch an mir kleben bleibt. Wenn ich konditionell und Lufttechnisch könnte, würde ich einfach schneller wandern, um die Maske endlich loszuwerden. Da das durch die vielen Menschen, die ebenfalls in den Fußgängerzonen unterwegs sind, nun wirklich nicht geht, setze ich mir als nächsten Pausenpunkt das Rheinufer fest. Während ich über die Hohenzollernbrücke gehe und die rettete Pause immer näher rückt, schleicht sich ein Lächeln in mein Gesicht. Die Rheinüberquerung markiert für mich einen Wendepunkt. Nun liegt die Hälfte meiner Wanderzeit durch Köln hinter mir und ich bin dem Ziel meiner Wanderung schon ein riesiges Stück näher gekommen. Nun liegt erstmal ein ganzes Stück wandern am Rhein entlang vor mir. Da ich ganz alleine unterwegs bin, rufe ich bei meinen Eltern an, um ihnen den aktuellen Status meiner Wanderung mitzuteilen. Es ist zwar wunderschön nur für sich zu wandern und sein Gehtempo an niemanden anpassen zu müssen, aber ein wenig einsam ist es schon. Während ich noch telefoniere, stelle ich fest, dass ich meinen Wanderweg wohl erneut etwas umplanen muss. Der eigentliche Weg liegt dank des hohen Wasserstandes nicht neben, sondern im Rhein, sodass ich über Kopfsteinpflaster und Nebenstraßen ausweichen muss. Auf einem Parkplatz umrunde ich diverse große Pfützen, die bei dem kaltfeuchten Wetter einfach nicht im Boden versickern wollen… Nachdem auch das geschafft ist, biege ich auf die Zielgerade meines Weges durch Köln ein und freue mich, dass ich dabei von vielen Megamarschern per Facebooklivestream begleitet werde. Trotz des wirklich schlechten Tonqualität, die sich durch die viel befahrene Straße rechts von mir einfach nicht vermeiden lässt, nehmen alle regen Anteil an meiner heutigen Herausforderung und spornen mich an, auch noch den Rest des noch vor mir liegenden Weges hinter mich zu bringen. 

 

Kräftemessen

Der Dünnwald ist endlich erreicht und die asphaltierten Straßen liegen endlich hinter mir. Für meine Beinmuskeln und Füße eine erfreuliche Nachricht. Auf einer eingezäunten Wiese nahe eines am Wald gelegenen Hofes machen sogar einige Kanadagänse Rast und lassen sich bei einer kurzen Picknickpause wunderbar beobachten. Da ich ein großer Naturfreund bin, genieße ich den Anblick, der sich mir bietet und tanke etwas Kraft, bevor ich mich wieder auf den Weg mache. Was etwas weniger begeisternd ist, sind die nun vor mir liegenden Höhenmeter. Die Motivation ist zwar nach wie vor groß, aber gegen die Müdigkeit meiner Beine komme ich einfach nicht an. Mit deutlich gemäßigterem Tempo stiefele ich so durch Paffrath. Auf dem letzten Anstieg vor Bergisch Gladbach steht dann für mich fest, dass es einfach nicht mehr weitergeht. Magnesium, Pausen und Trinken reichen einfach nicht aus, damit ich die noch ca. 20 vor mir liegenden Kilometer bewältigen kann. Zwar bin ich enttäuscht, dass ich mein eigentliches Ziel heute nicht erreichen werde, aber ich bin auch ziemlich glücklich. Schließlich habe ich heute die bislang längste Distanz, von knapp 40 Kilometern, meines bisherigen Wandererdaseins in etwas über 6,5 Stunden gemeistert.

 

Endspurt

Am nächsten Morgen heißt es für mich erstmal genüsslich Dehnen und Frühstücken, damit auch die letzten Kilometer noch in Angriff genommen werden können. Dank der Anstrengungen vom Vortag, fühle ich mich rundum zufrieden. Aber es ist schon seltsam, wo man überall Muskelkater haben kann. Also zum Beispiel unter den Füßen… Passend zu meiner Stimmungslage scheint am Samstagmorgen vereinzelt die Sonne und es bleibt zum Glück überwiegend trocken. Ein weiterer Pluspunkt: nach den vielen asphaltierten Straßen freuen sich meine Füße über die erdigen Waldwege, die ich heute erwandere. Die Höhenmeter im Bergischen machen mir in Kombination mit meinem Muskelkater heute mehr zu schaffen, als der bereits beschriebene Umweg über den brombeerbewachsenen Hang, aber begleitet von Euch lege ich die letzten Kilometer vor meinem Finish zurück und genieße die tolle Landschaft, auf die ich den überwiegenden Teil der gestrigen Wanderung verzichten musste. Am Ende fühle ich mich einfach nur dankbar. Dankbar für die tolle Unterstützung während meines Marsches und das Erreichen meines Zieles. Die Motivation für den nächsten Marsch ist somit ganz weit oben!

Was war Dein persönliches Highlight beim #WIRGEHENWEITER Jahresauftakt?

 

Sportliche Grüße

 

Deine Christine vom Team-Megamarsch

Kommentar schreiben

Kommentare: 0